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Ein Blick auf die Baustelle des künftigen Schöpfwerkes Steertlochsiel, wie er schon bald nicht mehr möglich sein wird. Hinten rechts sind die Rohre zu sehen, über die während der Bau-phase das heranfließende Wasser in die Nordsee gepumpt werden kann.
(Foto: Kienitz/DHSV)

 

Marschenverband Schleswig-Holstein und Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen informierten über das im Bau befindliche Schöpfwerk Steertlochsiel

6500 Hektar großes Einzugsgebiet

Ein neues Schöpfwerk im Dithmarscher Speicherkoog wird ab dem Spätherbst für mehr Sicherheit im südlichen Dithmarschen sorgen. Dann kann überschüssiges Regenwasser, das über Gräben, Flüsse und Kanäle bis kurz vor den Deich gelangt, mit High-Tech-Anlagen in die Nordsee gepumpt werden. Bislang hatte es nur ein Siel gegeben, das jetzt mit Unterstützung von EU, Bund und Land zum Schöpfwerk ausgebaut wird. Die Baukosten betragen insgesamt zwölf Millionen Euro, von denen der Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen (DHSV) ein Viertel selbst tragen muss.

„Immer mehr Wasser aus dem Binnenland und eine zunehmende Verlandung vor den Deichen haben dazu geführt, dass wir den Bau des Schöpfwerks Steertlochsiel in Angriff nehmen mussten“, erklärte Peter Matthias von Hemm bei einem „Tag der offenen Baustelle“, zu dem der Verband und der Marschenverband Schleswig-Holstein (MV) gemeinsam eingeladen hatten.

Der DHSV-Verbandsvorsteher von Hemm ging zudem auf die erheblichen Energiekosten ein, die beim Betrieb eines Schöpfwerks anfallen. „Daher sind Projekte wie Wind für Wasser II in Wesselburener Deichhausen von so großer Bedeutung. Wenn wir entsprechende Windkraftanlagen betreiben, können wir den Strom für die Pumpen vor Ort erzeugen“, erläuterte von Hemm.

Dem Bau vorausgegangen war eine langfristige Planung, bei der auch die Ergebnisse der wasserwirtschaftlichen Studie „Niederungen 2050“, die sich unter anderem auf die Auswirkungen des Klimawandels bezieht, berücksichtigt wurden. Vorrangig galt es, trotz fortschreitender Verlandung im Vorland und Sedimentationen innerhalb der Becken und Vorfluter des Speicherkoogs die Entwässerung sicherzustellen. Zudem hatte die Studie aufgezeigt, dass sich die Niederschlagsmenge in den kommenden Jahrzehnten deutlich erhöhen und der Meeresspiegel gleichzeitig weiter ansteigen werde. Immerhin ist ein 6 500 Hektar großes Einzugsgebiet betroffen, das St. Michaelisdonn, Barlt, Trennewurth, Kronprinzenkoog und den Auguste-Viktoria-Koog umfasst.

Vier riesige Pumpen werden nach ihrer Installation insgesamt 10,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vom Binnenland in die Nordsee pumpen können. Für den Bau und den Betrieb des Schöpfwerkes mussten etwa sechs Kilometer Versorgungsleitungen für Wasser, Strom und Telekommunikation überbrückt werden. Gesteuert wird das Schöpfwerk künftig über den Leitstand des DHSV in Hemmingstedt.

Die grundsätzliche Problematik der Regenwasserbewirtschaftung wird sich in den Niederungen künftig weiter verschärfen. Das betonten Hans-Rudolf Heinsohn, ehemaliger Vorsitzender des Marschenverbandes Schleswig-Holstein und sein Nachfolger Jan-Jürgen Rabeler, die im Anschluss an ein Kurzreferat von Ministerialdirigent Dietmar Wienhold (Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung) sprachen. Betroffen sind dabei nicht nur die Flächen vor der Nordsee, sondern auch die Niederungen an Flüssen wie zum Beispiel Eider, Pinnau, Krückau, Stör oder Elbe. „Damit stehen wir in den kommenden Jahren vor riesigen Herausforderungen, die nicht allein die Mitglieder der Wasser- und Bodenverbände tragen können. Wir haben es hier vielmehr mit einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu tun“, betonte Rabeler mit Blick auf die Politik. Wie Heinsohn forderte er bei Umlegung der entstehenden Kosten auch Steuergelder einzusetzen.